Prohibition

"Haschisch in Maßen und in guter Qualität genossen, schadet kaum; übermäßiger, anhaltender Genuß von schlechtem Haschisch, namentlich bei dürftiger Ernährung, wirkt zerrüttend.(..)Man glaubt, dass sein Genuß zu harter, anhaltender Arbeit befähige, Schmerz tilge und den üblen Wirkungen des Klimawechsels vorbeuge. Man schreibt ihm die Erzeugung eines heiteren angenehmen Rausches zu."

So nüchtern und gelassen wie "Meyers Konversationslexikon" im Jahr 1908 über "den Hanf als Berauschungsmittel" berichtet, hatte einige Jahrzehnte zuvor auch die "Britische Hanfdrogenkommission" in Indien nach einer umfangreichen Untersuchung festgestellt, dass es keinen Grund gäbe, das traditionelle Rauschmittel der indischen Kolonie unter ein Verbot zu stellen. Vielmehr äußerte sie den Verdacht, "dass der Angriff auf die Hanfdrogen nur gestartet wurde, um an ihrer Stelle europäischen Schnaps zu verkaufen."

Wie diese Stellungnahmen deutlich machen, gab es zu dieser Zeit keinerlei "Cannabis-Problem", auch bei den internationalen Opiumkonferenzen des Völkerbunds, die zwischen 1911 und 1931 die ersten globalen Drogenverbote institutionalisierten, spielte der "Indische Hanf" nur eine Nebenrolle. Der Antrag ihn unter die zu kontrollierenden Substanzen aufzunehmen, der von Südafrika und Ägypten gestellt worden war - das Burenregime in Südafrika hatte mit einer aufmüpfigen, Dagga rauchenden Bevölkerung zu kämpfen - interessierte die europäischen Großmächte zwar kaum, um die möglichen Koalitionspartner bei anderen Abstimmungen aber nicht zu verprellen, erhielt er am Ende aber eine Mehrheit. Das Deutsche Reich als Weltmarktführer der Produktion von Morphin, Heroin und Kokain stimmte dem Hanf-Verbot zu, nachdem Ägypten zugesichert hatte, im Gegenzug keine Einfuhrverbote für Heroin und Kokain zu erlassen.

Erfunden wurde das "Cannabis-Problem" Anfang der 30er Jahre in den USA, und zwar genau zu dem Zeitpunkt, als neue Maschinen und Technik die Verarbeitung der Nutzpflanze erheblich vereinfachten. Dass die Anti-Hanf-Kampagne, die Harry Anslinger in dem eigens dafür gegründeten "Federal Bureau of Narcotics" startete - dem Vorgänger der heutigen "Drug Enforcement Agency" - von dem Chemiekonzern DuPont, der Öl-Industrie, sowie dem Waldbesitzer und Zeitungsmagnaten Hearst finanziert und gefördert wurde, wundert nicht. Ermöglichte doch ein Verbot des Hanf-Anbaus zum einen, eine ungeliebte Rohstoffkonkurrenz vom Acker zu verhindern - zum anderen ließen sich Minderheiten wie Schwarze und Latinos, aber auch weiße Musiker und Bohemians, die Cannabis konsumierten, damit erfolgreich schikanieren. Den bekennenden Rassisten und Hitler-Bewunderern DuPont und Hearst passte das politisch ebenso ins Konzept, wie der damaligen US-Regierung, die wegen der soeben aufgehobenen Alkohol-Prohibition für einen Überhang an Polizisten und Kontrollbeamten weitere Beschäftigung suchte. Mit dem "Marihuana Tax Act" von 1937 kam nicht nur der Hanf-Anbau in den USA zum Erliegen, die vorausgehende Kampagne gegen das "Mörderkraut" Cannabis legte auch den Grundstein für den bis heute währenden Rufmord des Hanfs. Von schierer Mordlust, über unbändigen Vergewaltigungsdrang bis zu völligem Wahnsinn gab es nahezu kein Übel, dass fortan nicht dem Cannabisgenuss angelastet wurde - ausgehend von den USA wird eines der sichersten und unschädlichsten Genussmittel der Menschheit nach Jahrtausenden des segensreichen, problemlosen Gebrauchs zum gefährlichen Rauschgift gestempelt. Harry Anslinger lässt von Louis Armstrong abwärts die gesamte Szene der Jazzmusiker bespitzeln und plant in einem großen Schlag, diese "diabolische Musik" ebenso auszurotten wie die Marihuana-Pflanze insgesamt.

Auch wenn man ihn hier noch zurückhalten konnte, nach dem 2. Weltkrieg wurde Anslinger zur neu gegründeten UNO weggelobt und konnte seinem Prohibitions-Wahn nunmehr auf internationaler Ebene frönen. Mit der bis heute gültigen "Single Convention" - der Drogenübereinkunft der UNO - die Cannabis in der Klasse der gefährlichsten Drogen führt, hat der manische Anti-Hanf-Bürokrat Anslinger der Welt ein Vermächtnis hinterlassen, dessen Revision nach wie vor aussteht. Die Prohibition von Cannabis beruht auf einem Fundament von pseudo-wissenschaftlichen Lügen und Propaganda, die sich seit über einem halben Jahrhundert tief ins öffentliche Bewusstsein eingegraben haben - doch der Wandel dieses Bewusstseins und die politische Wende zur Vernunft ist offensichtlich. Das Image der Hanfpflanze hat sich gewandelt, nicht mehr nur der "Rauschgift"-Aspekt, die ganze Pflanze und ihr vielfältiger Nutzen sind wieder ins Blickfeld geraten, das Heilkraut Hanf ist medizinisch rehabilitiert - und das Kiffen zu Genuss-und Entspannungszwecken ist vom esoterischen Geheimtipp einer Hippie-Minderheit zu einem selbstverständlichen Massenvergnügen geworden, trotz nach wie vor drakonischer Strafen in den meisten Ländern der Erde. Besser kann das vollständige Scheitern der Prohibition in der Praxis kaum demonstriert werden. Es ist nur mehr eine Frage der Zeit, bis die notorisch beharrlichen Sphären des Rechts und der Macht sich dieser Realität anpassen.

 

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